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Unsere Partnerklasse



Die Klasse 1a -

eine Partnerklasse der Otto-Steiner-Schule

und der Grundschule am Schererplatz -

stellt sich vor.


In der Partnerklasse arbeiten Daniela Kokott, Sonderpädagogin,

und Robert Roedern, Grundschullehrer und Schulpsychologe,

zusammen mit der Kinderpflegerin Andrea Skala.






Im Folgenden unterhalten sich die beiden Lehrkräfte über ihre Motive, ihren Schulalltag und die Zukunft ihrer Partnerklasse.


Die Selbstverständlichkeit finde ich faszinierend!

Robert Roedern: Der wichtigste Grund, mich für diese Klasse zu entscheiden, war, dass ich meinen Unterricht offener gestalten wollte. Um mit der Unterschiedlichkeit umzugehen, die in der Klasse vorzufinden sein wird, bin ich gezwungen offenere Unterrichtsformen konsequenter umzusetzen: Wochenplan, Portfolio, Freiarbeit. Ein weiterer Grund war zudem die Aussicht mit einer Sonderpädagogin zusammenzuarbeiten, von der ich in meiner Arbeit profitieren kann.


Daniela Kokott: Für mich war es so, dass ich am Ende des letzten Schuljahres gefragt worden bin, wie ich weitermachen möchte. Daraufhin habe ich mir gewünscht, in der Grundschulstufe zu bleiben. Da gab es verschiedene Optionen. Ich war unentschlossen. Den Ausschlag hat dann gegeben, dass ich in meiner mobilen Zeit auch in einer Partnerklasse Einsatzstunden hatte und ich das Konzept interessant fand.


Was hat dich daran besonders interessiert?


Den Unterricht so zu organisieren, dass es für alle bestmöglich passt, lernen am gemeinsamen Gegenstand, was wir angesichts der Heterogenität unserer Kinder versuchen müssen.


Die Kinder in der kleinen Gruppe sind ja unter sich bereits sehr unterschiedlich.


Genau. Deswegen muss man das von vorneherein machen. Interessant ist, wie weit man mit dieser Unterschiedlichkeit gehen und Kinder unter einen Hut bringen kann, damit sie gemeinsam lernen können. In meiner mobilen Zeit kam ich im laufenden Schuljahr in diese Partnerklasse. Es war schon eine zweite Klasse. Ich konnte beobachten, mit welcher Selbstverständlichkeit sie dort miteinander umgegangen sind und die Kinder aus der kleinen Gruppe aufgenommen wurden. Ich fand es interessant und motivierend, das selber auszuprobieren und von Anfang an dabei zu sein und mitzugestalten.


Da wird die Klasse selbst zum Lerngegenstand. Neben den Lerninhalten rückt das Miteinanderlernen in den Vordergrund, um das Miteinander zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Was würdest du sagen, wo wir diesbezüglich bereits angekommen sind? Das erste Halbjahr ist vorbei.


Ich finde viele Momente, in denen es sehr gut klappt. Ich habe das Gefühl, dass die Kinder sich so annehmen, wie sie sind, alle miteinander. Und bei manchen Sachen können wir noch weiterkommen, zum Beispiel beim gegenseitigen Helfen. Dazu können wir Gelegenheiten für alle bieten. Um nicht nur die Unterscheidung zu haben, die Regelkinder unterstützen die Kinder der kleinen Gruppe. Es ginge darum, dass sich alle gegenseitig helfen, damit alle davon profitieren.


Es gibt Schüler_innen, die bekommen das schon ganz gut hin. Ich denke da an einen Schüler, der scheinbar keinen Unterschied macht und einen sehr guten Kontakt zu einem Schüler der kleinen Gruppe hat.


Ich fand schon allein die erste Schulwoche so faszinierend. Es schien für die Kinder kein offensichtliches Thema zu sein, dass hier Kinder anders sind. Oft kennt man solche krummen Blicke: Der schaut ja ganz anders aus. Oder: Was macht denn der jetzt? Da habe ich eine große Selbstverständlichkeit von Anfang an erlebt.


Letztendlich sind alle in einer ähnlichen Situation. Alle sind sich neu und alle stehen vor der Aufgabe, sich in etwas Neues einzufinden, neue Regeln, neue Kinder. Und dem einen Kind fällt es leicht Kontakt zu finden, mit wem auch immer. Unterschiedlich sind sie alle. Diese Selbstverständlichkeit finde ich auch sehr beeindruckend.


Aus meiner Sicht ist es auch vollkommen in Ordnung, dass sich Gruppen bilden. Wenn sie sich gegenseitig wählen und aufrufen sollen, dann ist es für mich okay und nachvollziehbar, dass sie nach gemeinsamen Interessen und Sympathien aussuchen. So ist es halt.


Da hast du Recht. Wenn ich offen bin und Menschen Gelegenheit gebe, sich kennenzulernen, dann können Verbindungen und Sympathien entstehen, die solche Entscheidungen beeinflussen. Diese Chance möchte ich allen geben. Oft stehen dem Vorurteile im Weg, die wir in unserer Klasse gut auflösen können. Oder wir unterstützen  die vorhandene Unvoreingenommenheit der Kinder.

Wie würdest du jemandem, der unsere Klasse nicht kennt, den Schulalltag beschreiben?


Wir sind eine Klasse. Wir sind die 1a. Deswegen versuchen wir, möglichst viel Zeit gemeinsam zu lernen. Für mich fühlt es sich nach einem geringen Teil an, in dem wir getrennt Unterricht machen. Wir fangen gemeinsam an und machen so viel gemeinsam, wie es geht. Und in manchen Punkten ist es sinnvoller, getrennt zu üben.


Das sind in der Woche im Moment  fünf bis sieben Unterrichtsstunden, in denen die kleine Gruppe in ihren eigenen Raum geht.

Wir beginnen gemeinsam und stellen ihnen den Tagesablauf vor. Seit sechs Wochen ist der Wochenplan fester Bestandteil, in dem die Kinder individuell an ihren Aufgaben arbeiten.


Ich finde es sehr faszinierend, wie schnell sie sich das angeeignet haben. Da ist es spannend zu beobachten, wie die Kinder miteinander umgehen. Sie schauen, was macht der eine und was macht der andere. Da passiert es schon mal, dass ein Kind sagt, das ist ja einfach, was der macht. Das nächste Kind meint daraufhin: Na ja, für die ist es schwer. Woraufhin der vorherige erwidert: Stimmt, das war für mich früher auch schwer.


Wir arbeiten eben nicht nur an den Lerninhalten, lesen, schreiben, rechnen, sondern versuchen mit ihnen herauszufinden, wie sie gut lernen können. Was gehört dazu, dass ich mich in der Schule wohl fühle? Da sind die Grenzen unter den Kindern fließend. Das eine Kind kann gut zuhören und mitarbeiten, jemand anderes ist dafür besser im Kontakt finden und helfen.

Weiß jetzt ein Außenstehender wie unser Alltag aussieht?


Ich glaub noch nicht. Vielleicht zeigen wir es mal an einem konkreten Beispiel: der Buchstabeneinführung. Das läuft immer gleich ab. Wir machen Stationenarbeit. Die Kinder wissen, was sie erwartet und was sie an den verschiedenen Stationen machen sollen.


Da erinnere ich mich an die Station, an der sie mit Glassteinen die Buchstaben nachlegen. Ein Schüler aus der großen Gruppe beobachtete ein Kind der kleinen Gruppe und kommentierte: Mensch, das ist ja einfach. Als er aufgefordert wurde, es ebenso zu machen, merkte er, dass es so einfach doch nicht ist, das ganz genauso hinzukriegen. Er hat sich dann sehr ernsthaft und sorgfältig der Aufgabe gestellt. So geschehen in solchen offenen Situationen Begegnungen zwischen den Kindern, in denen Vorannahmen irritiert und in Frage gestellt werden können. Diese kleinen Momente machen diese Arbeit spannend und besonders. Wichtig ist der klare Rahmen. Darauf legen die Kinder auch großen Wert.


Ganz schön finde ich auch den gemeinsamen Anfang, mit Datum, Wochentag, der Gebärde zum Wochentag. Hier können alle zeigen, dass sie Gebärde und Wochentag kennen. Viele Kinder bekommen die Struktur, die sie brauchen. Das gilt nicht nur für die Kinder mit besonderem Förderbedarf.


Nein, das hilft auch uns Lehrkräften! Und der Tagesabschluss gehört für mich auch noch unbedingt dazu. Wenn wir zusammen überlegen, welche Schüler_innen für die Klasse etwas Gutes gemacht haben. Sie machen Vorschläge und wählen ein Kind aus. Gestaunt habe ich außerdem über die Klassenversammlung, die wir sehr bald begonnen haben. Hier setzen wir uns am Ende der Woche zusammen und besprechen Anliegen der Kinder. Was läuft gut, was könnte besser klappen. Ich staune, wie sehr sich bereits diese Erstklässler Gedanken machen über ihr Lernen und das Zusammenleben und Ideen entwickeln. Das beeindruckt mich!


Ich sehe auch einen großen Vorteil darin, dass wir von den Kindern etwas fordern, von dem wir vielleicht dachten, dass sie es noch nicht können. Das finde ich ganz toll. Vielleicht würde man das gar nicht so anbieten, wenn man es anders, in der kleinen Gruppe, gestalten würde. Dann kommt ganz Überraschendes zutage. Beispielsweise bei der Zahlenreihe von 1 bis 10, die auf dem Boden ausgelegt wurde. Alle Kinder waren aufgefordert, sich auf die Zahl drei zu stellen und zwei Schritte vorwärts zu gehen. Ein Schüler, von dem ich das vielleicht gar nicht gefordert und erwartet hätte, stand da, zählte das ab und wusste es ganz genau. Das hat mich überrascht, genauso wie eine Schülerin, die sich häufig meldet und passende Beiträge bringt.


Situationen, in denen sich vor allem Kinder der kleinen Gruppe mitreißen lassen und der Eindruck entsteht, sie profitieren davon. Das gilt auch für Kinder der großen Gruppe, für die die Fragen und Beiträge der kleinen Gruppe nützlich sind, noch mal neu oder anders nachzudenken, wo ich sonst vielleicht schon weitergegangen wäre.

Für mich ist noch schön, dass ich nicht alleine im Klassenzimmer bin, so wie es vielen Lehrkräften ergeht, als Einzelkämpfer. Neben dir gibt es noch eine erfahrene Kinderpflegerin in unserer Klasse, die schon in Partnerklassen gearbeitet hat. Den Austausch finde ich sehr wertvoll.


Davon profitieren alle.


Der Umgang, den wir miteinander im Team haben, mit- und voneinander zu lernen und zu arbeiten, überträgt sich auf die Stimmung der Kinder.


Aber da muss man auch mal sagen, wie wichtig das ist. Dass man als Team auf einer Wellenlänge ist und weiß, wohin man möchte, was wollen wir eigentlich erreichen. Hier schwimmen wir sozusagen im gleichen Strom.


Da würde ich sagen, hatten wir es ein bisschen leichter. Bei uns stimmte die Wellenlänge von Anfang an. Sonst würde es darum gehen, sich zusammenzufinden, was kann gemeinsames Ziel sein und wie wollen wir es erreichen. Das ist bei uns zum Glück leichter gefallen.


Wo wollen wir denn noch hin? Was haben wir noch vor?




















 






 




































 

 

 

 

 


Mein Wunsch ist auf jeden Fall, dass wir es weiterhin schaffen, so viel wie möglich zusammen zu machen, mit offenem Unterricht. Das sehe ich wirklich als einen großen Vorteil für alle an. Die Zeiten, die wir getrennt machen, sind sinnvoll. Das ist auch wichtig für die Kinder, die sich das auch oft wünschen, einfach mal in einer reizärmeren Umgebung zu sein und vor allem im Sprachgebrauch Raum zum Üben zu haben. Doch der gemeinsame Unterricht ist mir wichtig.


Das hoffe ich auch. Je mehr wir in Wochenplan, Projekten, Portfolioarbeit und Kleingruppen individualisieren, desto häufiger können wir im gemeinsamen Rahmen verbleiben. Das ist das große Ziel.



 Verantwortlich: Daniela Kokott und Robert Roedern

 

Grundschule am Schererplatz, München - Pasing