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Gegen Rassismus - mit Courage


Grundschule am Schererplatz - die erste Grundschule "gegen Rassismus und mit Courage"

in München.


Nun sind wir die erste Grundschule gegen Rassismus und mit Courage in München.


Hört sich gut an. Fühlt sich gut an. Fast wie eine Auszeichnung, wie ein Preis.


Wir haben auch was getan dafür: Wir haben im Lehrerkollegium viel über dieses Thema diskutiert, uns in der Arbeitsgruppe immer wieder getroffen, mit den Schülerinnen und Schülern in Klassenkonferenzen über ihre Probleme und Sorgen gesprochen, sie in der Projektwochen sensibilisiert für eigene Stärken und eigene Grenzen, für die Allgegenwärtigkeit von Vorurteilen und wie sie uns beeinflussen können. Wir haben ihnen die Kinderrechte erklärt und mit ihnen darüber gesprochen, dass sie ein nicht verhandelbares Recht darauf haben, nicht geschlagen oder verletzt zu werden. Wir haben über Gemeinsamkeiten und Unterschiede gesprochen und darüber, dass Vielfalt unsere Gesellschaft bereichert. Einige Kinder haben einen Film gedreht oder sich kurze Szenen zu den Inhalten der Projektwoche ausgedacht, andere haben einen Rap oder Gedichte geschrieben, einige haben Plakate gestaltet. Wir haben versucht, den Kindern das Thema auf möglichst vielen verschiedenen Ebenen zu vermitteln. Wir haben auch die Theaterstücke und Bücher in diesem Jahr zu diesem Thema ausgesucht.

Und dann gehen wir am Tag nach der "Auszeichnung" in die Schule und fangen Zettel ab, auf denen steht "Martina nervt total, findest du nicht auch?" oder hören Kinder auf dem Pausenhof sagen: "Warum muss ich neben dem Ausländer sitzen!" und wir erkennen plötzlich, dass es kein Preis ist, den wir da bekommen haben.

Es ist nur eine Richtung, die wir eingeschlagen haben. Ein Weg, auf dem wir uns ein kleines Stück bewegt haben, ein Kurs auf den wir alle uns tagtäglich immer wieder einnorden müssen, wenn wir unsere Selbstverpflichtung  ernst nehmen.

Das verlangt auch uns Lehrerinnen und Lehrern einiges ab:

" Die Gefühle und Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler anzuerkennen und uns ein: "Das ist doch nicht so schlimm!" zu verkneifen...

" Konflikte ernst zu nehmen und auszuhalten, wenn Kinder 20 Minuten im Streitschlichterzimmer verbringen statt das sorgfältig vorbereitete Arbeitsblatt auszufüllen...

" Eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jedes einzelne Kind  in seiner Persönlichkeit geachtet fühlt und sich als Bereicherung  für unsere Schule erlebt...

" Das Thema " Ausgrenzung" und "Benachteiligung" immer wieder im Unterricht und durch Projekte aber auch in akuten Situationen aufzugreifen, auch wenn es Zeit kostet...

" Anlaufstellen zu schaffen, wo Erfahrungen im Bereich Mobbing und Ausgrenzung Gehör finden und aufgearbeitet werden können...

" Vorbild  zu sein...

" Uns einzugestehen, dass auch wir nur auf dem Weg sind...

Wir haben die beste Voraussetzung dafür, uns diesen Aufgaben tagtäglich zu stellen:  Bei uns lernen Kinder unterschiedlichster Herkunft, Mädchen wie Jungen, Kinder mit und ohne Behinderung, Kinder verschiedener sozialer Schichten, wir haben sogar männliche Lehrer im Kollegium :!  

Und wir alle lernen zusammen. Wir müssen uns die gesellschaftliche Realität nicht künstlich ins Haus holen, sie findet tagtäglich dort statt. Wir müssen Vielfalt nicht herbeireden, wir leben Vielfalt.

Unsere Aufgabe ist es nun, uns immer wieder daran zu erinnern, wie wir diese Vielfalt leben wollen, damit der Titel "Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage" nicht eine leere Floskel bleibt, sondern langfristig und nachhaltig mit Leben gefüllt wird.

Wie anspruchsvoll diese Aufgabe auch für uns ist, die wir uns für weltoffen, aufgeschlossen und tolerant halten, verdeutlicht uns dieses Zitat:


"Toleranz darf eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein.

Sie muss zu Anerkennung führen.

Dulden heißt beleidigen."

Johann Wolfgang von Goethe


Wir haben uns zusammen mit unseren Schülerinnen und Schülern dafür entschieden, uns dieser Herausforderung zu stellen!

Wir freuen uns, wenn Sie als Eltern uns auf diesem Weg begleiten!



FAQs:

Was bedeutet der Titel "Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage"?

Der Titel ist keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern ist eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft. Jeder Angehörige der Schule, der diese Selbstverpflichtung unterschreibt, übernimmt die Verantwortung dafür, dass die gemeinsamen Ziele umgesetzt werden und ein Klima gegen Diskriminierung, Mobbing und Gewalt geschaffen wird.

Wer verleiht den Titel?

Der Titel wird verliehen vom gleichnamigen Netzwerk. Es ist das größte Schulnetzwerk in Deutschland mit mehr als 1500 Mitgliedern. Das Netzwerk versteht sich als parteienunabhängig und sieht eine wichtige Aufgabe in der Förderung von Demokratie. Der Schererschule wurde der Titel von Herrn Schneider-König verliehen, der beim Pädagogischen Institut München für dieses Projekt verantwortlich ist.

Als Patin für dieses Projekt konnte die Schererschule die ehemalige Justizministerin Frau Leutheusser-Schnarrenberger gewinnen, die sowohl beim feierlichen Abschluss der Projektwoche sowie bei der Verleihung des Titels "Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage" anwesend war. Auch sie hat die Selbstverpflichtung  unterschrieben.

Wie wird man "Schule mit Courage"?

Jede Schule kann den Titel bekommen, wenn sich mindestens 70 Prozent aller Menschen, die an einer Schule lernen und lehren mit einer Unterschrift dazu verpflichten, sich gegen jegliche Form von Diskriminierung  (z.B. aufgrund von Religion, sozialer Herkunft, Geschlechtszugehörigkeit, körperlicher Merkmale)  aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

Wie sieht die Selbstverpflichtung genau aus?

Die Selbstverpflichtung des Netzwerks "Schule mit Courage-Schule gegen Rassismus" wurde ursprünglich für ältere Schüler formuliert, deshalb wurden die Ziele an unserer Schule so umgeschrieben, dass alle Kinder  verstehen, was sie unterzeichnen.


Dazu verpflichten sich unsere Schüler/-innen, wenn sie unterschreiben:


1. Ich setze mich dafür ein, dass Lehrer/-innen und Schüler/-innen an meiner Schule immer wieder daran arbeiten, dass niemand mehr benachteiligt wird, z.B. weil er/sie anders aussieht, anders spricht oder aus einem anderen Land kommt.


2. Wenn jemand an meiner Schule verspottet, geschlagen oder geschubst wird, weil er oder sie "anders" ist, dann schaue ich nicht weg, sondern mische mich ein.

Ich setze mich dafür ein, dass wir dieses Problem offen besprechen, damit wir einen Weg finden, in Zukunft friedlich miteinander umzugehen.


3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Benachteiligung durchgeführt wird, damit so etwas an unserer Schule nicht mehr vorkommt.


Wie versuchen wir, diese Ziele umzusetzen?

Selbstverantwortliches Handeln und demokratische Teilhabe wird an der Schererschule z.B. durch  Klassenkonferenzen, den Schüler/-innenrat, die Schülersprecher/-innen oder die Schülermediatoren schon länger gelebt. Im Zuge des Projekts "Schule mit Courage" hat sich der Fokus allerdings noch stärker auf das soziale Lernen an unserer Schule gerichtet.

Das Gewaltpräventionsprogramm "Faustlos" wird seit mehreren Jahren an unserer Schule durchgeführt.

Um bei Ausgrenzung oder Mobbing schnell und zielgerichtet eingreifen zu können, haben sich die Lehrer/-innen durch eine Fortbildung über den Anti-Mobbing-Ansatz "No-Blame"-Approach schlau gemacht, der seit letztem Schuljahr an unserer Schule zusammen mit den Kolleginnen von der Jugendarbeit an Schulen (JAS) praktiziert wird.

JAS gibt den Schüler/-innen auch zusätzlich zu Gesprächen mit den Lehrer/-innen die Möglichkeit über Erfahrungen von Ausgrenzung oder Diskriminierung zu sprechen, diese zu bearbeiten und dagegen vorzugehen.

Jedes Jahr gibt es Projekttage oder eine Projektwoche zum Thema, in der die Schüler/-innen auf unterschiedliche Art und Weise für Vorurteile und Formen von Benachteiligung und Ausgrenzung sensibilisiert werden. Und natürlich wird auch sehr viel an pädagogischer Arbeit  in akuten Situationen in den Klassenzimmern geleistet.

Wie soll es weiter gehen?

Da das Projekt "Schule gegen Rassismus, Schule für Courage" in erster Linie ein Projekt für Schülerinnen und Schüler und von Schülerinnen und Schülern sein soll, wollen wir noch stärker den Kindern die Möglichkeit geben, Ideen zum Thema einzubringen und somit die Umsetzung des Projektgedankens mehr in ihre Hände zu geben.

Wo bekomme ich weitere Informationen zu diesem Projekt?

Weitere Informationen zu dem Projekt findet man unter www.schule-ohne-rassismus.org



Verantwortlich: Barbara Zauner

 

 

Grundschule am Schererplatz, München - Pasing